"Die größte Gefahr bei Künstlicher Intelligenz ist, sie nicht zu nutzen!"

Volles Haus beim WIFI-Technologiegespräch zum Thema "Künstliche Intelligenz"

„Wir haben die Komponenten schon, wissen aber noch nicht wie wir sie zusammenschrauben sollen.“, bringt Dietmar Millinger von AI Austria den Status zur Künstlichen Intelligenz (KI) hierzulande auf den Punkt. Er und Jakob Lahmer von der Firma craftworks konnten gestern im Zentrum für Technologie und Design im WIFI St. Pölten mit zahlreichen praktischen Fallbeispielen ein hochinteressiertes Publikum von der Aktualität des Themas überzeugen.

Die größte Gefahr bestünde darin, die Chancen nicht zu nützen, die sich durch Künstliche Intelligenz der Wirtschaft bieten, meinen die Experten. Ein klares Commitment, sich als Top-Player im Bereich der angewandten KI zu positionieren sei nötig. Wobei der Fokus auf der konkreten Anwendung liege, die sich dann beobachten ließe, wenn sich künstliche Intelligenz in die Wertschöpfungsketten der – auch kleinen und mittleren – Betriebe integriere.
 
Vorteile für jeden Betrieb
Ein einfaches Beispiel macht klar, dass Vorteile für nahezu jeden Betrieb zu nutzen sind. „Ein Reisebüro kann durch ein gut trainiertes System 70 % der Kundenanfragen per E-Mail automatisiert verarbeiten. Das System versteht, was der Kunde möchte, ob es sich um eine Anfrage, eine Reklamation oder Nachfrage handelt, generiert automatisch vorbereitete Antwortmails, die an die Reisebüroangestellten vorbereitet ausgeliefert werden“, erklärt Millinger einen konkreten Anwendungsfall des maschinellen Lernens.

Jakob Lahmer entwickelt als CTO von craftworks individuelle Software Lösungen für „Predictive Quality“ und „Predictive Maintenance“ in Industrieunternehmen. „Wenn bei einer Maschine Fehler oder Störungen auftreten, dann ist es für die Firma kosten- und zeiteffizienter, wenn wir dies planen können“, erklärt Lahmer. Derzeit ist die Firma so weit, dass sie 91 Prozent der Fehler an Maschinen sieben Tage im Voraus erkennt und mit 98 Prozent Wahrscheinlichkeit den Fehlertyp erkennt. „Unser Ziel ist ein selbstlernendes System“, so der Spezialist für KI.
 
KI-Initiative NÖ startet
Dass künstliche Intelligenz ein breites Publikum anspricht, zeigt sich am starken Zulauf zur Veranstaltung. Michael Zobl, Produktmanager am WIFI NÖ freute sich über fast 100 Teilnehmende aus sehr unterschiedlichen Bereichen. Die Besucher kamen von Industriebetrieben, Forschungseinrichtungen, Schulen aber auch aus Gewerbebetrieben. „Das freut uns besonders, denn das ist unsere Absicht! Wir wollen mit der KI-Initiative Niederösterreich ein deutliches Zeichen setzen. KI betrifft alle Wirtschaftsbereiche und ein Technologiegespräch mit diesem Thema ist erst der Anfang von einer Reihe an Aktivitäten, die wir für 2019 zur künstlichen Intelligenz noch planen“, erläutert Zobl die Details zur KI-Initiative der Wirtschaftskammer Niederösterreich, bei der auch das WIFI federführend beteiligt ist. Unter anderem soll ein frei zugänglicher KI-Space im Zentrum für Technologie und Design in St. Pölten gebaut werden, der am 13.6. diesen Jahres im Rahmen eines „Denk Digital“ Kongresses eröffnet wird. Themen-Workshops und eine KI-Akademie am WIFI Niederösterreich sollen bis zum Herbst noch folgen.