WIFI ermöglicht "Lizenz zum Drucken"

V.l.: Markus Brunnthaler, Vorsitzender der Fachvertretung der Kunststoffverarbeiter NÖ, und WIFI-Lehrgangsleiter Franz Langwieser sind für den Lehrgangsstart im Februar schon bestens gerüstet. Foto: Hofmann

Das WIFI NÖ und die Fachvertretung der Kunststoffverarbeiter bringen eine Ausbildung für das 3D-Druck-Gewerbe hervor.


Ab Februar 2021 wird am WIFI NÖ ein einsemestriger Lehrgang zum Erwerb einer individuellen Befähigung (früher: eingeschränkte Gewerbeberechtigung) angeboten. Dieser berufsbegleitende Lehrgang wird mit Präsenz- und Online-Lehreinheiten in Zusammenarbeit mit FOTEC, NDU und WIFI NÖ durchgeführt. Die NÖ Fachvertretung der Kunststoffverarbeiter startete die Initiative zur Ausbildung und war maßgeblich an der gemeinsamen Erarbeitung der Lehrpläne sowie der Umsetzung beteiligt. 
 

Mit WIFI-Lehrgang zur Gewerbeberechtigung 

3D-Druck ist seit 20 Jahren zunehmend am Markt etabliert, bisher fehlte für einen Großteil der Interessenten aber jegliche Ausbildung, die zur Ausübung des Gewerbes als „3D-Drucker“ befähigt. Bisher dürfen nur Absolventen der Werkmeisterschule das Gewerbe betreiben. So stehen zwar etwa in der Berufsschule in Steyr 3D-Drucker für die Lehrlings-Ausbildung zur Verfügung oder werden in HTLs oder FHs Grundlagen gelehrt, aber eine individuelle Befähigung, die weit über das technische Know-how hinausreicht, konnte bisher nicht erteilt werden. Diese Lücke wird nun mit einem berufsbegleitenden Lehrgang am WIFI in St. Pölten geschlossen. Den Absolventen wird eine individuelle Befähigung erteilt: „Kunststoffverarbeiter, auf das Betreiben von 3D-Druckern eingeschränkt“. 
 

Für Private und Firmen 

Als „Nicht-Kunststoffler“ fehlte bisher jegliche Ausbildung. WIFI-Lehrgangsleiter Franz Langwieser ist froh, dass man eine Lücke schließen kann: „Nicht nur Privatpersonen, die ab und zu für Freunde oder Unternehmen drucken, sondern etwa auch Tischlern, die vermehrt gewerbemäßig 3D-Druck anbieten, fehlte bisher jegliche rechtliche Grundlage. Hier geht es aber nicht nur um Haftungen, etwa bei Ersatzteilen, sondern auch um die fachgerechte Lagerung von Materialien, Restmüllentsorgung und die Vermeidung von Arbeitsunfällen. Vielen ist nicht bewusst, dass sie auch Verantwortung übernehmen müssen. Dieses Grundwissen möchten wir mit dem Lehrgang vermitteln.
 

3D-Druck in Theorie und Praxis

Die Qualität der Ausbildung steht im Vordergrund und so wurde intensiv an der Umsetzung einer berufsbegleitenden Ausbildung gearbeitet, die am 20. Februar 2021 startet und für die man sich ab sofort voranmelden kann. Die angebotene Kombination aus Theorie und Praxis am WIFI Niederösterreich ist besonders spannend: im Technologiezentrum stehen verschiedene 3D-Drucker zur Verfügung, mit „Materiautech“ am gleichen Standort an der New Design University kann eine einzigartige Materialbibliothek im Polymerbereich genutzt werden. Die unterrichtenden Lehrer kommen aus der Praxis, in Kombination mit Fachleuten aus der Forschung, etwa von der Montanuniversität Leoben. Allen Teilnehmern des Lehrgangs wird somit auch reges „Netzwerken“ angeboten. 
 

3D-Druck-Lehrgang schließt rechtliche Lücke

Franz Langwieser möchte ermöglichen, dass mehr Interessierte den 3D-Druck gewerbsmäßig ausüben können: „Schulen, an denen Basiswissen für den 3D-Druck gelehrt wird, sind Basis für Start-ups – aber eben ganz nach dem Motto: solange nix passiert, fragt niemand nach. Das ist bisher eine Grauzone, da möchten wir Abhilfe schaffen, um schließlich die rechtliche Lücke zwischen Innovation und Absicherung zu schließen. Es geht auch um Copyright-Themen sowie das Verstehen von Prüfwerten – wir versuchen hier Bewusstsein zu schaffen.“ 
 

Niederösterreich übernimmt Vorreiterrolle

Markus Brunnthaler, Fachvertretungsvorsitzender der Fachvertretung der Kunststoffverarbeiter Niederösterreich, ist froh, dass es jetzt eine Ausbildung für eine Individuelle Befähigung für den 3D-Druck gibt und hofft, dass sich noch weitere Bundesländer anschließen: „Die anderen Länder sind involviert, aber bisher sind wir in Niederösterreich die einzigen, die einen Lehrgang anbieten. Wir haben nun einen geeigneten Rahmen geschaffen sowie Eingangsschnittstelle und Ergebnisse für eine Befähigung definiert, an dem sich andere Bundesländer ‚anhalten‘ können. “ 
 

Kurs-Einstieg auch ohne Vorwissen möglich

Für den Lehrgang gibt es zwei „Eingangstüren“: Der Kunststofftechniker oder Kunststoffformgeber erspart sich das Basismodul, in dem Kunststoffgrundlagen gelehrt werden. Im Modul 1 erwerben die Teilnehmer die erforderlichen Kenntnisse für die Berechtigung einen 3D-Copyshop zu betreiben, mit dem Abschluss von Modul 2 sind sie befähigt, als 3D-Lohnfertiger 3D-Druckteile in eigener Verantwortung zu produzieren. Mit erfolgreichem Abschluss der Ausbildung und dem Ablegen der Unternehmerprüfung kann ein eigenes Unternehmen gestartet werden. 
 

Kostenlose INFO-Veranstaltung

Informieren Sie sich am Mittwoch, dem 18. November 2020, um 17.30 Uhr, im WIFI St. Pölten über die Ausbildung „Kunststoff 3D-Druck-Gewerbe“. Die Teilnahme an der INFO-Veranstaltung ist auch online möglich!